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zwischen dem klassischen seemänni schen Überstieg und dem Überstieg mit den sogenannten Überstiegssystemen (Walk to Work, wie z. B. Ampelmann, SMST …) unterschieden. Was hat sich verändert? Der Transport zu Offshore-Windparks erfolgt hauptsächlich per Helikopter oder Schiff. Beim Schiffsüberstieg wird zwischen dem klassischen seemännischen Überstieg und modernen Überstiegs systemen („Walk to Work“-Systeme wie Ampelmann oder SMST) unterschieden. Diese Systeme sind auf größeren Service Schiffen (SOVs) im Einsatz und bieten Vorteile wie höhere Wellengrenzwerte, geringere körperliche Belastung und einen sichereren Überstieg. Bei kleineren Schiffen wie z. B. Crew Transport Vessels (CTV) kann aus tech nischen Gründen oft kein Überstiegssys tem installiert werden. Beim klassischen seemännischen Überstieg positioniert sich das Schiff oder Boot am Offshore Bauwerk z.B. durch „Anpuschen“ am Boatlanding, das in den meisten Fällen mit der Leiter verbunden ist. Der Decks mann an der Überstiegsstelle gibt nach Freigabe durch den Kapitän den Auf stieg frei. Der Aufstieg erfolgt gesichert mit einem Höhensicherungsgerät, das ein Fallen ins Wasser sicher verhindert. Zwischen Leiter und Schiff bleibt ein Überlebensraum, der bei Durchrutschen des Schiffs ein Verletzen der Person an der Leiter verhindert. Nach dem Über stieg muss die Person schnellstmöglich den Gefahrenbereich verlassen, indem mit dem Aufstieg begonnen wird. Die Schiffscrew organisiert an Deck den Überstieg, gibt den Auf- und Ab stieg frei, unterstützt beispielsweise beim Übersteigen durch Anzählen und Ein- und Aushacken des Höhensiche rungsgeräts in den Auffanggurt des Monteurs. Material und Werkzeug wer den beim Überstieg nicht am Körper getragen, da dies den Aufstieg behin dern kann. Die Monteure werden regel mäßig in dieser Prozedur geschult. Insgesamt kann man sagen, dass der seemännische Überstieg zwar grundsätz lich nicht an Bedeutung verloren hat, aber eben seltener geworden ist. Die Sicherheit bleibt in den „alten“ Offshore Windparks natürlich genauso wichtig wie vorher, aber die Erfahrung und die eingesetzten technischen Schutzmaß nahmen zeigen, dass eine Neubewertung

im Rahmen einer kontinuierlichen Fort schreibung der Gefährdungsbeurteilung sinnvoll ist. Aber worum geht es genau? Um die Verpflichtung zum Tragen des Über lebensanzugs. Zur Erinnerung: In der Offshore Wind-Branche hat sich in den letzten Jahren das Tragen eines Überlebens anzugs beim seemännischen Überstieg bis zu einer vorher festgelegten Wasser temperatur (in der Regel um die 12 °C) etabliert. Dieser Anzug soll Personen vor einem Herzstillstand beim plötzli chen Eintauchen schützen, so weit, so klar. Aber das Tragen der Überlebens anzüge birgt auch Risiken, die mit be trachtet werden müssen. Genau das ist der Inhalt der neuen VDSI-Regel 01/2025, „Trageerleichterung von Überlebensanzügen beim gesicher ten Überstieg offshore“, den der VDSI Fachbereich Erneuerbare Energien jüngst veröffentlicht hat. Wie ist der aktuelle Stand? Denn es ist nun einmal so, dass so ein Überlebensanzug eine extreme körper liche Belastung durch das Anziehen bei Seegang, den Überstieg bzw. den so fort darauf folgenden Aufstieg und die Bewegungseinschränkung durch das zusätzliche Tragen von PSA gegen Er trinken (Überlebensanzug, PSA gegen Absturz und Rettungsweste mit Crew finder) bedeutet. Die neue VDSI-Regel 01/2025 diffe renziert zwischen Schutzwirkung und Tragebelastung. Sie definiert, in welchen Fällen Erleichterungen möglich sind, ohne die Sicherheit zu gefährden. Seien Sie gespannt auf praxisnahe Lösungen zur Optimierung der Arbeits sicherheit in Offshore-Windparks!

ein, natürlich ist nicht alles neu, aber die Jahre der Unerfahren heit sind vorbei und es liegen zum einen umfängliche Erfahrungen vor und zum anderen haben sich die Verhältnisse teils drastisch verändert. N Der Ausbau der Offshore-Windener gie ist eine der Säulen der Energiewende, um aus der fossilen Energiegewinnung aussteigen zu können. Bereits 2009 ist der erste kommerzielle Windpark in der Ostsee entstanden, dem viele weitere Windparks in Nord- und Ostsee folgten. So waren im Juni 2023 in Deutschland 1.563 Offshore-Windenergieanlagen (OWEA) mit einer Gesamtleistung von 8,4 GW in Betrieb. Die Ausbauziele der Bundesregierung sind 30 GW bis 2030 bzw. 70 GW bis 2045. Die Erkenntnisse aus dem Betrieb der Anlagen sind in die Gefährdungsbeurteilungen eingeflossen und werden regelmäßig neu bewertet. Wo kommen wir her? Während der erste kommerzielle Wind park 2009 küstennah in der Ostsee ent standen ist und ein Transport zu den Anlagen per Boot erfolgen konnte, liegen die neuen Offshore-Windparks immer küstenferner. Der Personentransport zu den Offshore Windparks findet dann in der Regel per Helikopter oder mit großen Schiffen statt. Bei Letzterem wird beim Überstieg vom Schiff auf die Offshore-Bauwerke

Kontakt Dirk Richling

Leiter VDSI-Fachbereich Erneuerbare Energien E-Mail: fb-erneuerbareenergien@vdsi.de

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