VDSIaktuell
2/2025
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Das Magazin des VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit
Arbeitssicherung im Offshore-Windpark Wie sich die Anforderungen an Sicherheit und Ergonomie beim seemännischen Überstieg bewältigen lassen. 06
08 Steigende Temperaturen Wie man klimabedingten Unfällen vorbeugt | 10PSAgA So lässt sich der Absturz verhindern | 15 Online-Seminar am 19. Juni 2025 – Hybride Bildschirmarbeit
SCHON GEHÖRT?
Brände in Krankenhäusern und Pflegeheimen – eine unterschätzte Gefahr
Brände in Gesundheitseinrichtungen treten seltener auf als in anderen Gebäuden, doch ihre Folgen sind oft gravierend. Laut der Brandstatistik 2024 gab es im Jahr 2023 ins gesamt 153Brände in Krankenhäusern und Pflegeheimen, bei denen vier Menschen ums Leben kamen und 207 verletzt wurden. Die besondere Gefahr solcher Brände be steht in der eingeschränkten Mobilität vieler Patienten und Bewohner. Häufig sind sie auf medizinische Geräte angewiesen oder nicht in der Lage, schnell zu reagieren, was Evakuierungen erheblich erschwert. Hinzu kommt die rasche Rauchentwicklung in modernen Gebäuden – die meisten Todes fälle sind auf Rauchvergiftung zurückzu führen. Eine frühzeitige Branderkennung sowie durchdachte Evakuierungskonzepte sind daher essenziell. Die aktuellen Zahlen unterstreichen, dass Brandschutz in Gesundheitseinrichtungen höchste Priorität haben muss. Prävention rettet Leben – jedes Ereignis sollte Anlass sein, bestehende Konzepte zu überprüfen und das Bewusstsein für diese oft unter schätzte Gefahr zu schärfen.
153 BRÄNDE
207 VERLETZTE
4 TOTE
Quelle – bvfa: https://www.feuertrutz.de/bvfa-brandstatistik-2024-wertet braende-in-krankenhaeusern-und-pflegeheimen-aus-04022025#:~:text= Die%20bvfa%2DStatistik%20verzeichnet%20f%C3%BCr, 4%20Toten%20und%20207%20Verletzten, Stand 04. Februar 2025.
Prävention rettet Leben – jedes Ereignis ist eine Chance, bestehende Sicherheitskonzepte zu verbessern.
Sicherheitsmaßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit: O regelmäßig Schulung der Pflegekräfte O barrierefreie Gestaltung der Fluchtwege O Brandmeldeanlagen als Prävention O automatische Löschsysteme O gestaffelte Evakuierung zur Vermeidung von Panik
Titelfoto: KI-generiert mit Adobe Firefly; Illustration: © Oleg/Adobe Stock, musmellow/Adobe Stock
Inhalt
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02 Schon gehört? Neues aus Wissenschaft, Politik, Statistik
04 Nachrichten Termine, Fakten, Medien. Angebote des VDSI für seine Mitglieder Titel 06 Arbeitssicherung im Offshore Windpark – alles neu in 2025? Wie sich die Anforderungen an Sicherheit und Ergonomie beim seemännischen Überstieg bewältigen lassen. Fachbericht 08 Einfluss der klimabedingten Hitze auf die betrieblichen Unfallzahlen Höhere Temperaturen führen zu Stress, Müdigkeit und Reizbarkeit – und damit zu höheren Unfallzahlen im Betrieb. 10 Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – PSAgA Auszug aus der VDSI-Information Nr. 03/2024
Margrit Stuhr komm. Vorstandsvorsitzende des VDSI
Liebe Leserinnen und Leser, die Arbeitswelt befindet sich im Wandel – Digitalisierung, Nachhaltigkeit und veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen stellen uns vor neue Herausforderungen. Doch eines bleibt unverändert: Sicherheit und Gesundheitsschutz müssen an erster Stelle stehen. Als VDSI setzen wir uns dafür ein, dass Prävention nicht nur eine Pflicht, sondern eine gelebte Unternehmenskultur wird. In dieser Ausgabe beleuchten wir wegweisende Themen, die uns in den kommenden Monaten begleiten werden: Von der neuen Gefahr stoffverordnung über den Arbeitsschutz in Offshore-Windparks bis hin zu modernen Ansätzen in der Präventionskultur – wir zeigen, wie innovative Lösungen die Sicherheit am Arbeitsplatz verbessern können. Besonders freut mich, dass wir das Thema „Arbeitsschutz als strategischer Erfolgsfaktor“ stärker in den Fokus rücken. Denn Unternehmen, die frühzeitig investieren, profitieren langfristig – durch gesündere Mitarbeitende, höhere Produktivität und weniger Ausfälle. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, Sicherheit und Gesundheitsschutz weiter voranzutreiben! Ich wünsche Ihnen eine spannende und inspirierende Lektüre.
12 Die Präventionskultur-Entwickler in Unternehmen Entscheidend für die Verhinderung von Arbeitsunfällen ist eine nachhaltige Präventionskultur Wir über uns 14 Arbeitsschutz und Unternehmensprozesse Die Offensive Mittelstand hilft, betriebliche Abläufe zu optimieren.
15 VDSI-Online-Seminar 19.06.2025 – Hybride Bildschirmarbeit
15 Impressum
Ihre
Foto: VDSI
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Nachrichten
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VDSI stärkt Mitgliederbindung: Persönliche Geburtstagsglückwünsche für mehr Wertschätzung
Datenschutz gewährleistet
Die Grundlage bildet ein berechtigtes Interesse gemäß Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO, abgeleitet aus der VDSI-Satzung: P Förderung der Mitgliederbindung und Gemeinschaft (§ 1.2) P Betreuung und Vernetzung in den Regionen (§ 7.2) P Anerkennung von Engagement (§ 1.2, § 7.2)
Datenschutz steht an erster Stelle
P Datenminimierung: Nur runde Geburtstage werden erfasst. P Zweckbindung: Die Übersicht dient allein der Gratulation. P Vertraulichkeit: Nur autorisierte Leitungskräfte erhalten Zugriff.
Ihre Wahl: Opt-out jederzeit möglich
Wer keine Glückwünsche möchte, kann der Nutzung der Geburtsdaten widersprechen (Art. 21 DSGVO):
P per E-Mail: „Widerspruch Geburtstagsglückwünsche“ an datenschutz@vdsi.de P per Post: VDSI-Geschäftsstelle, Marienstraße 30, 10117 Berlin
Alles Gute zum runden Geburtstag – über eine herzliche Gratulation freut sich jeder Jubilar.
Ein Widerspruch wird sofort umgesetzt und die Daten werden nicht mehr verwendet.
Ein starkes Zeichen der Zusammengehörigkeit
Persönlicher Austausch und Anerkennung sind zentrale Werte des VDSI. „Können wir Mitgliedern zu ihren runden Geburtstagen gratulieren?“ – diese Frage erreichte uns in den letzten Monaten häufig aus den Regionen und zeigt den Wunsch nach mehr Verbundenheit im Verband. Der VDSI hat darauf reagiert: Mit einer datenschutzkonformen Lösung können Leitungskräfte künftig Geburtstagsglückwünsche im Namen des Verbandes übermitteln.
Mit diesem neuen Angebot schafft der VDSI eine wertschätzende, persönliche und datenschutzkonforme Möglichkeit , das Engagement unserer Mitglieder zu würdigen und die Gemeinschaft im Verband nachhaltig zu stärken. Wir freuen uns darauf, diesen Service gemeinsam mit unseren Leitungskräften umzusetzen, und danken Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung bei dieser wertvollen Geste der Wertschätzung!
Warum Geburtstagsglückwünsche?
In vielen Regionen prägt der persönliche Kontakt die Verbandskultur. Die Würdigung langjähriger Mitgliedschaften stärkt die Identifikation mit dem VDSI und fördert das Miteinander. Ein Glückwunsch zum runden Geburtstag ist eine kleine, aber wirkungsvolle Geste – ein Zeichen der Wertschätzung für Treue und Engagement.
Kontakt Matthias Kampa
So funktioniert’s
Geschäftsführer Datenschutzbeauftragter Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt)
Ab sofort erhalten Leitungskräfte jährlich eine Übersicht mit den (halb)runden Geburtstagen der Mitglieder ihrer Region. Ziel: eine persönliche Gratulation im Namen des VDSI – einfach, effektiv und wertschätzend. Die Liste bleibt intern und dient ausschließlich diesem Zweck.
Telefon: +49 30 683 2478-0 E-Mail: datenschutz@vdsi.de
Foto: KI-generiert mit ChatGPT
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Verstärkung im Bereich Kommunikation: Jasmine Ait-Djoudi neu im VDSI-Team
Ab dem 2. Mai 2025 verstärkt Jasmine Ait-Djoudi als neue Kommunikationsmanagerin das Team des VDSI. Mit langjähriger Erfahrung in der strategischen Medienarbeit und der internen sowie externen Kommunikation bringt sie wertvolle Expertise in den Verband ein. Zuvor leitete sie die Universitätskommunikation der Bergischen Universität Wuppertal, wo sie unter anderem für die Presse und Öffentlichkeitsarbeit, die Krisenkommunikation sowie die strategische Medienplanung verantwortlich war. Ihre berufliche Laufbahn führte sie durch verschiedene leitende Positionen in der Hochschul- und Wissenschaftskommunikation, unter anderem als Pressesprecherin der Technischen Universität Hamburg und als Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik.
Neben ihrer ausgeprägten Fachkompetenz überzeugt Jasmine Ait-Djoudi mit einer hohen strategischen Denkweise, Organisationsstärke und innovativen Ansätzen in der digitalen Kommunikation. Mit ihrer Erfahrung im Projektmanagement und ihrer Expertise in der Entwicklung zielgerichteter Kommunikationsstrategien wird sie die Kommunikation des VDSI weiterentwickeln und die Sichtbarkeit des Verbands nachhaltig stärken.
Wir heißen Frau Ait-Djoudi herzlich willkommen und freuen uns auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit!
Dr. Silvester Siegmann erhält den Innovationspreis 2025 der DGAUM! Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) ehrt Silvester Siegmann für seine wegweisende Arbeit mit dem Innovationspreis 2025! Sein Engagement im Projekt „ RABiT – RiskAnalysis for Business Travel“ und die Entwicklung einer Online-Gefährdungsbeurteilung für beruflich Reisende setzen neue Maßstäbe für Sicherheit auf Dienstreisen. Seit 2006 zeichnet die DGAUM innovative Leistungen in Forschung und Praxis aus. Bereits 2021 erhielt Siegmann den „ Duty of Care Award – Covid 19 Ambassador“ für seine Arbeit zu beruflichen Auslandsreisen in der Pandemie. Mit dem Innovationspreis 2025 würdigt die DGAUM erneut seinen bedeutenden Beitrag zur Arbeitsmedizin!
Wir gratulieren ihm herzlich zu dieser wohlverdienten Auszeichnung!
Ticker
+++ „VDSIaktuell“ 2025: Der Erscheinungstermin für die Ausgabe 3/2025 ist der 06.06.2025, für die Ausgabe 4/2025 der 08.08.2025. +++ VDSInet: Inzwischen haben sich schon 1.335 Mitglieder registriert – seien auch Sie dabei! (Stand 10.03.2025) +++ Folgen Sie uns gerne auf LinkedIn@VDSI und Instagram@vdsi.news +++
Fotos: privat; VDSI
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Titel
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Foto: © Jochen Kolb
Arbeitssicherung im Offshore-Windpark – alles neu in 2025? Die Arbeit in Offshore-Windparks stellt hohe Anforderungen an Sicherheit und Ergonomie. Besonders der seemännische Überstieg birgt Herausforderungen, da das Tragen eines Überlebensanzugs und zusätzlicher PSA gegen Ertrinken eine erhebliche körperliche Belastung darstellt. Von Dirk Richling
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Titel
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zwischen dem klassischen seemänni schen Überstieg und dem Überstieg mit den sogenannten Überstiegssystemen (Walk to Work, wie z. B. Ampelmann, SMST …) unterschieden. Was hat sich verändert? Der Transport zu Offshore-Windparks erfolgt hauptsächlich per Helikopter oder Schiff. Beim Schiffsüberstieg wird zwischen dem klassischen seemännischen Überstieg und modernen Überstiegs systemen („Walk to Work“-Systeme wie Ampelmann oder SMST) unterschieden. Diese Systeme sind auf größeren Service Schiffen (SOVs) im Einsatz und bieten Vorteile wie höhere Wellengrenzwerte, geringere körperliche Belastung und einen sichereren Überstieg. Bei kleineren Schiffen wie z. B. Crew Transport Vessels (CTV) kann aus tech nischen Gründen oft kein Überstiegssys tem installiert werden. Beim klassischen seemännischen Überstieg positioniert sich das Schiff oder Boot am Offshore Bauwerk z.B. durch „Anpuschen“ am Boatlanding, das in den meisten Fällen mit der Leiter verbunden ist. Der Decks mann an der Überstiegsstelle gibt nach Freigabe durch den Kapitän den Auf stieg frei. Der Aufstieg erfolgt gesichert mit einem Höhensicherungsgerät, das ein Fallen ins Wasser sicher verhindert. Zwischen Leiter und Schiff bleibt ein Überlebensraum, der bei Durchrutschen des Schiffs ein Verletzen der Person an der Leiter verhindert. Nach dem Über stieg muss die Person schnellstmöglich den Gefahrenbereich verlassen, indem mit dem Aufstieg begonnen wird. Die Schiffscrew organisiert an Deck den Überstieg, gibt den Auf- und Ab stieg frei, unterstützt beispielsweise beim Übersteigen durch Anzählen und Ein- und Aushacken des Höhensiche rungsgeräts in den Auffanggurt des Monteurs. Material und Werkzeug wer den beim Überstieg nicht am Körper getragen, da dies den Aufstieg behin dern kann. Die Monteure werden regel mäßig in dieser Prozedur geschult. Insgesamt kann man sagen, dass der seemännische Überstieg zwar grundsätz lich nicht an Bedeutung verloren hat, aber eben seltener geworden ist. Die Sicherheit bleibt in den „alten“ Offshore Windparks natürlich genauso wichtig wie vorher, aber die Erfahrung und die eingesetzten technischen Schutzmaß nahmen zeigen, dass eine Neubewertung
im Rahmen einer kontinuierlichen Fort schreibung der Gefährdungsbeurteilung sinnvoll ist. Aber worum geht es genau? Um die Verpflichtung zum Tragen des Über lebensanzugs. Zur Erinnerung: In der Offshore Wind-Branche hat sich in den letzten Jahren das Tragen eines Überlebens anzugs beim seemännischen Überstieg bis zu einer vorher festgelegten Wasser temperatur (in der Regel um die 12 °C) etabliert. Dieser Anzug soll Personen vor einem Herzstillstand beim plötzli chen Eintauchen schützen, so weit, so klar. Aber das Tragen der Überlebens anzüge birgt auch Risiken, die mit be trachtet werden müssen. Genau das ist der Inhalt der neuen VDSI-Regel 01/2025, „Trageerleichterung von Überlebensanzügen beim gesicher ten Überstieg offshore“, den der VDSI Fachbereich Erneuerbare Energien jüngst veröffentlicht hat. Wie ist der aktuelle Stand? Denn es ist nun einmal so, dass so ein Überlebensanzug eine extreme körper liche Belastung durch das Anziehen bei Seegang, den Überstieg bzw. den so fort darauf folgenden Aufstieg und die Bewegungseinschränkung durch das zusätzliche Tragen von PSA gegen Er trinken (Überlebensanzug, PSA gegen Absturz und Rettungsweste mit Crew finder) bedeutet. Die neue VDSI-Regel 01/2025 diffe renziert zwischen Schutzwirkung und Tragebelastung. Sie definiert, in welchen Fällen Erleichterungen möglich sind, ohne die Sicherheit zu gefährden. Seien Sie gespannt auf praxisnahe Lösungen zur Optimierung der Arbeits sicherheit in Offshore-Windparks!
ein, natürlich ist nicht alles neu, aber die Jahre der Unerfahren heit sind vorbei und es liegen zum einen umfängliche Erfahrungen vor und zum anderen haben sich die Verhältnisse teils drastisch verändert. N Der Ausbau der Offshore-Windener gie ist eine der Säulen der Energiewende, um aus der fossilen Energiegewinnung aussteigen zu können. Bereits 2009 ist der erste kommerzielle Windpark in der Ostsee entstanden, dem viele weitere Windparks in Nord- und Ostsee folgten. So waren im Juni 2023 in Deutschland 1.563 Offshore-Windenergieanlagen (OWEA) mit einer Gesamtleistung von 8,4 GW in Betrieb. Die Ausbauziele der Bundesregierung sind 30 GW bis 2030 bzw. 70 GW bis 2045. Die Erkenntnisse aus dem Betrieb der Anlagen sind in die Gefährdungsbeurteilungen eingeflossen und werden regelmäßig neu bewertet. Wo kommen wir her? Während der erste kommerzielle Wind park 2009 küstennah in der Ostsee ent standen ist und ein Transport zu den Anlagen per Boot erfolgen konnte, liegen die neuen Offshore-Windparks immer küstenferner. Der Personentransport zu den Offshore Windparks findet dann in der Regel per Helikopter oder mit großen Schiffen statt. Bei Letzterem wird beim Überstieg vom Schiff auf die Offshore-Bauwerke
Kontakt Dirk Richling
Leiter VDSI-Fachbereich Erneuerbare Energien E-Mail: fb-erneuerbareenergien@vdsi.de
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Einfluss der klimabedingten auf die betrieblichen Unfallz
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist das Jahresmittel der Lufttemperatur im Flächenmittel von Deutschland von 1881 bis 2021 statistisch gesichert um 1,6 °C angestiegen. Die fünf wärmsten Jahre seit 1881 in Deutschland sind nach dem Jahr 2000 aufgetreten.
Von Silvester Siegmann
ie Temperaturen in Deutschland sind damit deutlich stärker gestie gen als im weltweiten Durchschnitt (etwa 1 °C). Dies liegt darin begründet, dass sich die Landregionen generell schneller erwärmen als die Meere. Die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs in Deutschland (wie auch weltweit) hat in den vergangenen 50 Jahren deutlich zugenommen (siehe Abbildung 1). D Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Psyche aus. Die Hitze führt zu erhöh ter Reizbarkeit und Stress: Dies kann die Stimmung und das emotionale Wohl befinden beeinträchtigen. Es kommt in tropischen Nächten zu Schlafstörungen: Dies führt zu Müdigkeit und Erschöp fung (Bühn & Voss, 2023). Die kognitive Leistungsfähigkeit lässt nach, es werden Fehler gemacht und in der Folge ereig nen sich Unfälle. Verschiedene Studien finden einen signifikanten Anstieg der Unfallzahlen am Arbeitsplatz in Abhängigkeit von der Temperatur (z. B. Adam-Poupart et al. (2015); Fogleman et al. (2005)). Rameez deen & Elmualim (2017) fanden in ihrer Studie, dass ältere Arbeitnehmer bei Hit ze anfälliger für Unfälle sind und bei Hitzewellen mit größerer Wahrscheinlich keit schwerere Unfälle erleiden als jün gere Arbeitnehmer.
Abbildung 1
Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius (Gebietsmittel, lineare Regressionsgerade über alle dargestellten Indikator-Werte, Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), Mitteilung vom 17.11.2023).
Zeitraum 2006 – 2010 in Italien ereignet hatten. Es zeigten sich signifikante Aus wirkungen sowohl bei Hitze als auch bei Kälte. Die relativen Gesamtrisiken (RR) für Arbeitsunfälle für Hitze und Kälte la gen bei 1,17 bzw. 1,23. Die Anzahl von Arbeitsunfällen, die auf Temperaturen über und unter den Grenzwerten zu rückzuführen sind, wurde auf 5.211 pro Jahr geschätzt. Ein höheres Verletzungs risiko an heißen Tagen wurde bei männ lichen und jungen (15 – 34 Jahre) Arbeit nehmern festgestellt, die in kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigt sind, während an kalten Tagen das Gegenteil zu beobachten war. Bauarbeiter wiesen
das höchste Verletzungsrisiko an heißen Tagen auf, während Beschäftigte in der Fischerei, im Verkehrswesen sowie in der Strom-, Gas- und Wasserversorgung an kalten Tagen ein höheres Verletzungs risiko aufwiesen. Hitze und Arbeitsunfälle bei Bauarbeitern Gariazzo et al. (2023) untersuchten in ih rer Studie den Zusammenhang zwischen extremer Temperaturexposition und Ar beitsunfällen bei Bauarbeitern ebenfalls in Italien. Dabei legten sie den Focus auf die Analyse der Risikofaktoren. In der
Epidemiologische Studie aus Italien
Marinaccio et al. (2019) untersuchten in ihrer landesweiten epidemiologischen Studie die Auswirkungen extremer Au ßentemperaturen auf Arbeitsunfälle in Italien. In der Studie wurden 2.277.432 Arbeitsunfälle berücksichtigt, die sich im
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Fachbericht
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Hitze zahlen
dauert länger, somit verlängert sich die Zeit, in der Pollen freigesetzt werden. Pollen lösen bei vielen Menschen ge sundheitliche Beschwerden wie Heu schnupfen oder auch Asthma bronchiale aus. Die Zahl der Allergiker hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenom men. Verstärktes Niesen sowie tränende und verquollene Augen stellen eine Gefahr insbesondere beim Führen von Fahrzeugen dar. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) haben etwa 15 Prozent der Deutschen Heuschnupfen und fast neun Prozent leiden an Asthma bronchiale. Heuschnupfen wirkt sich hauptsächlich auf die Nasenwege aus, während Asthma die Lunge betrifft und zu Atemnotanfällen führen kann. Studie der Charité In einer Studie des Allergie-Centrums der Berliner Charité wurden mehr als 500 Menschen mit Heuschnupfen be fragt, wie die Erkrankung ihre Teilnahme am Straßenverkehr beeinflusst: 75 von 100 Befragten gaben an, dass die Be schwerden sie vom Verkehr ablenken. 13 von 100 hatten bereits so starke Be schwerden, dass sie nicht Auto fahren konnten. Sieben von 100 machten die Erkrankung sogar mitverantwortlich für einen von ihnen verursachten Unfall oder eine riskante Situation, die beinahe zu einem Unfall geführt hätte (Church & Zuberbier, 2019). Besonders achtsam müssen Mitarbei tende sein, wenn sie gegen ihre Allergie Medikamente einnehmen. Viele Antihis taminika verursachen Nebenwirkungen wie Müdigkeit und verzögertes Reak tionsvermögen.
Studie wurden 184.936 Arbeitsunfälle im Baugewerbe betrachtet. Es gab einen si gnifikanten Gesamteffekt bei hohen Temperaturen (relatives Risiko (RR) 1,216) und einen „schützenden“ Effekt bei
Materialien hatte das höchste Risiko un ter heißen Bedingungen. Drescher & Janzen (2023) untersuch ten anhand von Daten aus der Schweiz die Auswirkungen auf Arbeitsunfälle. In
Abbildung 2
Die Grafik zeigt die Dauer der Grünland-Vegetationsperiode in den einzelnen Jahren und die 30-jährigen Mittel 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020. Der Zeitraum hat sich in der jüngeren Vergangenheit verlängert (Quelle DWD).
niedrigen Temperaturen (RR 0,901). Für hohe Temperaturen schätzten die Auto ren 3.142 zurechenbare Fälle während des Untersuchungszeitraums. An Tagen mit Hitzewellen wurden RR von 1,11 bis 1,30 gefunden. Unqualifizierte Arbeiter sowie Maurer und Klempner wurden als höher gefährdet bei hohen Temperaturen eingestuft. Baugewerbe, Steinbrüche und Industrieanlagen waren die risiko reichsten Arbeitsumgebungen, ebenso spezifische körperliche Tätigkeiten wie Arbeit mit handgeführten Werkzeugen, Bedienung von Maschinen und Hand habung von Gegenständen. Kontakt mit scharfen, spitzen, rauen und groben
ihrer Studie werteten die Autoren Ar beitsunfälle von 1996 bis 2019 aus. Dre scher und Janzen zeigten, dass mit Temperaturen über 30 Grad auch die Zahl der Arbeitsunfälle steigt – und zwar um 7,4 Prozent. Einfluss von verlängerten Blütezeiten auf die Unfallzahlen Die Blütezeiten der Pflanzen verlängern sich und Allergiker werden verstärkt be lastet. Durch die klimabedingte Erwärmung wird die Blütezeit früher erreicht und
Kontakt Silvester Siegmann Vorstand – Ressort Kommunikation Telefon: +49 172 2751748 E-Mail: s.siegmann@vdsi.de
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Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) Absturzunfälle gehören zu den schwerwiegendsten Arbeitsunfällen und können oft lebensbedrohlich sein. Die richtige Anwendung von Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) ist daher essenziell für die Sicherheit von Beschäftigten, die in großen Höhen arbeiten. Die VDSI-Information Nr. 03/2024 gibt hierzu praxisnahe Empfehlungen für Unternehmen und Fachkräfte. Von Jürgen Schmidt
ereits bei der Planung von Gebäu den, Anlagen und anderen Ar beitsbereichen müssen spätere In standhaltungs- und Wartungsarbeiten berücksichtigt werden, bei denen eine Absturzgefahr besteht. Technische Maß nahmen sollten frühzeitig eingeplant werden, um ein sicheres Arbeiten in der Höhe ohne zusätzliche Schutzausrüs tung zu ermöglichen. Weiterhin beste hen Absturzgefahren z. B. bei Bauarbei ten, Arbeiten auf Freileitungsmasten, Veranstaltungstechnik, Windenergiean lagen usw., um nur einige zu nennen. B Geeignete Maßnahmen gegen Absturzgefahr Wenn bei der Gefährdungsbeurteilung eine Absturzgefahr festgestellt wird, muss zunächst geprüft werden, ob diese durch geeignete technische und/oder organisatorische Maßnahmen vermieden werden kann. Kann eine Absturzgefahr auf diesem Weg nicht ausgeschlossen werden, muss die Tätigkeit unter Anwendung von PSAgA sicher durchge führt werden. Zur Gefährdungsbeurtei lung gehört zudem die Erstellung eines Notfall- und Rettungskonzepts, um den Betroffenen zügig aus der hängenden Lage in der PSA zu befreien und ihm weitere gesundheitserhaltende Maßnah men zukommen zu lassen. PSAgA zählt zur PSA Kategorie III. Sind die Voraussetzungen für die Benut-
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zung von PSAgA nicht vollständig er füllt, darf die auszuführende Tätigkeit nicht durchgeführt werden. Andernfalls riskieren Beschäftigte schwerste Verlet zungen bis hin zum Tod.
Die für eine Unterweisung erforderli chen Kenntnisse können bspw. bei eini gen Berufsgenossenschaften oder ande ren Ausbildungsinstitutionen erworben werden. Zum Erhalt der Sachkunde sind regelmäßige Fortbildungen erforderlich. Dies betrifft insbesondere die speziellen Einsatzsituationen von PSAgA. Rettung bei Absturz und aus Behältern und engen Räumen Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber für Tätigkeiten un ter Einsatz von PSAgA ein Notfall- und Rettungskonzept erstellen. Eine prakti sche Rettungsübung muss mindestens einmal im Jahr durchgeführt werden. Während Tätigkeiten unter Einsatz von PSAgA muss stets qualifiziertes Personal anwesend sein und auf die notwendige Ausrüstung gemäß Rettungskonzept zu greifen können, um im Notfall Rettungs und/oder Erste-Hilfe-Maßnahmen durch führen zu können. Hinweis auf Rettungskonzept reicht nicht Arbeiten mit Absturzgefahr sind gefähr liche Arbeiten und als Alleinarbeit nicht zulässig (DGUV-Regel 112-199). Es reicht nicht aus, im Rettungskon zept pauschal auf die Feuerwehr oder andere Hilfsorganisationen hinzuwei sen. Das Rettungskonzept muss mit den entsprechenden Stellen (z. B. Feuerwehr, THW) abgestimmt und auch vertraglich geregelt werden (DGUV-Regel 112-199 Abs. 6.4).
Info
Weitere Hinweise können der VDSI-Information 01/2022 „PSA-Unterweisungen – Inhalte und Dauer“ entnommen werden.
Auswahl der PSA durch sachkundige Personen
Einsatz- und Arbeitsbereiche sowie die örtlichen Gegebenheiten bestimmen die Wahl der für die Tätigkeit geeigne ten PSAgA. Die Auswahl muss durch eine fach- und sachkundige Person erfolgen. Die Kernaussagen sind in ei ner Betriebsanweisung nachweislich zu beschreiben. Grundlage ist die DGUV Regel 112-198. Mitarbeiter, die Tätigkeiten mit Ab sturzgefährdungen durchführen, müssen körperlich und geistig geeignet, qualifi ziert und unterwiesen sein.
Personen, die andere Personen in der Be nutzung von PSAgA unterweisen, müs sen bestimmte Anforderungen erfüllen. Im DGUV-Grundsatz 312-001 sind diese „Anforderungen an Ausbildende und Ausbildungsstätten zur Durchführung von Unterweisungen mit praktischen Übun gen bei Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz und Rettungsausrüstungen“ beschrieben.
Sicherer Schutz vor Abstürzen mit persönlicher Schutzausrüstung.
Kontakt Jürgen Schmidt
Leitung Fachbereich Persönliche Schutzausrüstung (PSA) E-Mail: fb-psa@vdsi.de
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Fachbericht
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Die Präventionskultur-Entw in Unternehmen
Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen reichen heute nicht mehr aus, um die Folgen menschlicher Fehlentscheidungen zu begrenzen. Entscheidend für die Verhinderung von Arbeitsunfällen ist eine nachhaltige Präventionskultur.
Von Frederic Fiedler, Stefan Ganzke
in wirksamer Arbeits- und Ge sundheitsschutz, der Arbeitsunfälle und unsichere Situationen in Un ternehmen nachhaltig reduziert, erfor dert heutzutage mehr als nur die übli chen technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen. Unterschiedliche Studien zeigen seit einigen Jahren, dass die Mehrheit der Arbeitsunfälle und unsicheren Situatio nen durch menschliche Entscheidungen und menschliches Verhalten verursacht wird. In Zahlen betrachtet werden je nach Studie zwischen 76% und 96% der Arbeitsunfälle durch Führungskräfte und Mitarbeitende direkt oder in einer Verkettung ausgelöst. E Aus diesem Grund gilt in vielen Un ternehmen bereits seit Jahren der Fokus den gezielten Maßnahmen zur Weiter entwicklung der Arbeitsschutzorganisa tion und den Verhaltensweisen der Füh rungskräfte und Mitarbeitenden. Umso wichtiger war es, dass durch den VDSI im Jahr 2022 der Fachbereich Präven tionskultur gegründet wurde. Der ge
samte Fachbereich trifft sich i.d.R. quar talsweise zu einem virtuellen Meeting, in dem aktuelle Themen und inhaltliche Fortschritte besprochen werden. Darü ber hinaus arbeiten die Mitglieder des Fachbereichs in kleinen (Arbeits-)Grup pen an der inhaltlichen Fortschreibung von Inhalten. Hierzu gehörte zuletzt die VDSI-Information 04/2024 mit dem Titel „Der Präventionskultur-Entwickler“. Weiterentwicklung der Präventionskultur In dieser VDSI-Information hat der Fach bereich die Aufgaben der Menschen im Unternehmen definiert, die sich um die Weiterentwicklung der Präventionskultur kümmern. Hierzu zählen nicht nur Si cherheitsingenieure und Fachkräfte für Arbeitssicherheit, sondern auch Füh rungskräfte, Mitarbeitende und andere Fachabteilungen, wie beispielsweise die HR-Abteilung. Darüber hinaus beschreibt die VDSI-Information die persönlichen und fachlichen Anforderungen an die
Präventionskultur-Entwickler in den Un ternehmen. Damit die Weiterentwicklung der Prä ventionskultur möglich wird, besitzen die Menschen in den Unternehmen we sentliche Aufgaben. Eine Aufgabe ist die gemeinsame Definition einer Erwar tungshaltung an die Präventionskultur im Unternehmen. Hierbei handelt es sich um die Basis für die strategische Entwicklung eines systematisch aufein ander aufbauenden Maßnahmenplans. Die Präventionskultur-Entwickler sollen allerdings nicht nur in der strategischen Planung aktiv werden, sondern auch bei der operativen Umsetzung des Maßnah menplans unterstützen. Hierbei braucht es ein bestimmtes Maß an Motivation von Führungskräften und Mitarbeitern sowie einer gezielten Informationsver mittlung. Präventionskultur-Entwickler benötigen neben fachlichem Wissen auch metho dische und soziale Kompetenzen, um eine nachhaltige Sicherheitskultur im Unternehmen zu fördern. Sie müssen in
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Fachbericht
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wickler
kannt und überzeugend entkräftet wer den. Präventionskultur-Entwickler müssen Informationsveranstaltungen professionell vorbereiten und durchführen können. Gleichzeitig ist eine offene Fehlerkultur entscheidend für die Weiterentwicklung der Präventionskultur. Damit sich Mit arbeitende sicher fühlen, Fehler offen anzusprechen, braucht es psychologi sche Sicherheit – eine Kultur, in der Fehler nicht sanktioniert, sondern als Lernmöglichkeit genutzt werden. Prä ventionskultur-Entwickler spielen eine Schlüsselrolle bei der Förderung dieser Sicherheit und müssen entsprechende Kompetenzen mitbringen und stetig weiterentwickeln. Wichtige Kompetenzen eines Präventionkultur-Entwicklers Präventionskultur-Entwickler benötigen soziale Kompetenzen, um eine nachhal tige Sicherheitskultur zu fördern. Bera
Info
Wenn Sie Interesse an einer aktiven Mitarbeit im Fachbereich Präventionskultur haben, dann kontaktieren Sie uns gerne.
um Lösungen zu finden. Durch Lernbe reitschaft halten sie ihr Wissen aktuell und verbessern kontinuierlich ihre Fä higkeiten. Diese Kombination aus Bera tung, Kommunikation, Zusammenarbeit, Konfliktlösung und Weiterentwicklung ist entscheidend für den Erfolg der Prä ventionskultur in Unternehmen.
der Lage sein, Workshops, Schulungen und Unterweisungen professionell zu moderieren und sicherheitsrelevante Inhalte überzeugend zu vermitteln. Ein tiefgehendes Verständnis der Verhal tenspsychologie sowie Kenntnisse der Arbeits- und Organisationspsychologie sind essenziell, um den verhaltensbasier ten Arbeitsschutz gezielt weiterzuent wickeln. Systemische Methoden helfen, Ursachen für unsichere Handlungen zu identifizieren und gemeinsam mit Füh rungskräften und Mitarbeitenden Lösun gen zu erarbeiten. Zudem sind analyti sche und konzeptionelle Fähigkeiten notwendig, um den Arbeitsschutz stra tegisch weiterzuentwickeln und lang fristige Maßnahmenpläne zu erstellen. Ein wirksames Instrument zur Verhal tensbeeinflussung stellt das Nudging dar, bei dem gezielte Impulse das Si cherheitsverhalten positiv beeinflussen, ohne wirtschaftliche Anreize zu setzen. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Fä higkeit, Arbeitsschutz im Unternehmen „zu verkaufen“, indem Vorbehalte er
Teamarbeit, Kooperation und Entwicklung für eine starke Präventionskultur.
tungsfähigkeit hilft ihnen, Führungskräf te und Mitarbeitende zur eigenständi gen Weiterentwicklung der Präventions kultur zu befähigen. Kommunikations stärke ermöglicht ihnen, wertschätzend und zielgerichtet zu agieren. Kooperati onsfähigkeit ist von großer Bedeutung, da sie unabhängig von Hierarchien auf Augenhöhe arbeiten und ihr Wissen tei len. In Konflikten bleiben sie sachlich, fördern den Austausch und nutzen Ver handlungs- und emotionale Intelligenz,
Kontakt Frederic Fiedler
Stellv. Leiter Fachbereich E-Mail: fb-praeventionskultur@vdsi.de Stefan Ganzke Leiter Fachbereich E-Mail: fb-praeventionskultur@vdsi.de
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Wir über uns
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Arbeitsschutz und Unternehmensprozesse Ein ganzheitlicher Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz stärkt betriebliche Prozesse und die Unternehmensentwicklung. Die Offensive Mittelstand bietet praxisnahe Handlungshilfen, um Abläufe zu optimieren und nachhaltige Verbesserungen zu erzielen.
Von Katrin Zittlau
rbeits- und Gesundheitsschutz so wie Umweltschutz müssen in Un ternehmen ganzheitlich und pro zessorientiert umgesetzt werden. Sie sind Teil der Prozesse und unterstützen deren reibungslose Umsetzung. Die Handlungs hilfen der Offensive Mittelstand bieten einen guten Einblick in betriebliche Pro zesse und Themen, die die Prozesse beein flussen bzw. unterstützen. Die OM-Checks beschreiben dabei die gute Praxis erfolg reicher Unternehmen. Sie basieren auf sys temtheoretischen Ansätzen, der Betriebs wirtschaft und der Sozialwissenschaft sowie auf dem Modell des Arbeitssystems aus den Arbeitswissenschaften. A Sich mit diesem Check aus der eige nen fachlichen Perspektive zu beschäfti gen, bedeutet daher, einen Überblick über relevante Prozesse in Unternehmen zu erhalten und Ansätze für das eigene Beratungsthema zu finden. Der INQA-Unternehmenscheck „Guter Mittelstand“ gibt einen Überblick über die wesentlichen Elemente eines Ge samtprozesses in Unternehmen und hilft, Potenziale für Verbesserungen im Betrieb aufzuspüren. Dabei werden elf Elemente berücksichtigt, die in Unter nehmen in der Regel einen Gesamtpro zess und dessen Management bilden. Diese elf Elemente sind: 1. Strategie 2. Liquidität 3. Risikobewertung 4. Führung 5. Markt und Kunde 6. Organisation 7. Unternehmenskultur 8. Personal 9. Produktions- und Leistungsprozess 10.Beschaffung 11. Innovation
Info
Weitere Informationen bieten die spezifischen Seiten der Offensive Mittelstand im Internet: www.offensive-mittelstand.de
O INQA-Unternehmenscheck „Guter Mittelstand“
O GDA-ORGA-Check
O OM-Zeichen Arbeitsschutz
Arbeitsschutzorganisation zu überprüfen und zu verbessern. Er ergänzt damit den INQA-Unternehmenscheck „Guter Mittel stand“ ganz konkret zum Thema Ar beitsschutz. Kleine und mittelständische Unterneh men haben die Möglichkeit, über die Offensive Mittelstand das OM-Zeichen „Arbeitsschutz“ zu erwerben. Beleg da für ist die jeweils unabhängig überprüfte Selbstbewertung nach dem GDA-ORGA Check. Mit geringem bürokratischem Auf wand wird der Zugang zu potenziellen Auftraggebern erleichtert, die den Nach weis einer guten Arbeitsschutzorganisa tion als Voraussetzung für die Auftrags vergabe fordern. Gleichzeitig werden auch produktive und gesundheitsgerechte Pro zesse im Unternehmen unterstützt.
In den elf Elementen wird der Stand der Forschung zur präventiven Arbeits- und Organisationsgestaltung berücksichtigt. Sie bieten also Anknüpfungspunkte, um die Themen Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz zielführend in die Unter nehmensprozesse zu integrieren. Gleichzeitig stellen die Elemente des Checks eine gute Grundlage zum Auf bau eines Managementsystems dar. Sie sind zwar nur niederschwellige Hinfüh rungen, erläutern jedoch die Logik und Systematik von Managementsystemen. Der INQA-Unternehmenscheck „Guter Mittelstand“ enthält alle relevanten The men des Arbeitsschutzes. Damit zeigt der Check, welchen Nutzen der Arbeits schutz für eine erfolgreiche Organisation der Arbeit besitzt und wie er unter dem Gesichtspunkt einer erfolgreichen Wert schöpfung in die Prozessabläufe der Un ternehmen zu integrieren ist. Ganz konkret wird es im ORGA Check. Bekannt als Handlungshilfe aus der Feder der GDA – Gemeinsame Deut sche Arbeitsschutzstrategie, ist er Teil der Check-Familie der Offensive Mittel stand. Der ORGA-Check ermöglicht es kleinen und mittleren Unternehmen, ihre
Kontakt Katrin Zittlau
Ressort Gesundheit Telefon: +49 170 6596933 E-Mail: k.zittlau@vdsi.de
VDSI aktuell 2.2025
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VDSI-Online-Seminar: Hybride Bildschirmarbeit
Wir laden Sie herzlich ein:
Agenda: P Hybrides Arbeiten: Chancen und Herausforderungen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz P Einführung in die ASR A6: Was ist neu? P Praxisorientierte Anwendung: Empfehlungen des BMAS und der ASR A6
am Donnerstag, 19. Juni 2025, von 15.00 Uhr bis 16.30 Uhr
zumThema Hybride Bildschirmarbeit. So setzen Sie die BMAS-Empfehlungen und die Anforderungen der ASR A6 „Bildschirmarbeit“ praxisnah um. Die Arbeitswelt ändert sich rasant und hybride Arbeitsmodelle sind heute gefragter denn je. Doch wie können Sie die neuen Arbeitsweisen sicher und gesundheitsfördernd gestalten? Genau hier setzt unser Online-Seminar an. wie Sie die arbeits(schutz)rechtlichen Empfehlungen des BMAS für hybride Bildschirmarbeit effektiv umsetzen. P Fundiertes Wissen – Sie erhalten ein tiefgreifendes Verständnis der ASR A6 „Bildschirmarbeit“ und ihrer praxisorientierten Anwendung. P Expertise – Profitieren Sie von den Erfahrungen des VDSI-Fachbereichs Büroarbeit. P Interaktive Gestaltung – Stellen Sie Ihre Fragen und diskutieren Sie mit. Was Sie erwartet: P Praxisorientierte Empfehlungen – Sie erfahren,
P Fall-Beispiele und Best Practice P Q&A: Fragen und Diskussion
Bitte beachten Sie, dass wir diese Online-Fortbildung aufzeichnen.
Für die Teilnahme am Online-Seminar erhalten Sie 1 VDSI-Weiterbildungspunkt Gesundheitsschutz.
Die Kosten werden zentral vom VDSI getragen.
Sollten Sie trotz Anmeldung nicht am Online-Seminar teilnehmen können, geben Sie uns bitte bis spätestens Mittwoch, den 18.06.2025, Bescheid: anmeldung@vdsi.de.
Referent: Michael Schurr Leiter des VDSI-Fachbereichs Büroarbeit
O Anmeldung: vdsi.de/weiterbildung/
HELP Alliance for Ukrainian Workers Ziel der Initiative „HELP Alliance for Ukrainian Workers“ ist es, zivile Hilfe für die Menschen in der Ukraine zu organisieren, die unter sehr schweren Rahmenbedingungen ihrer Arbeit nachgehen. Alle Präventionsexperten, Arbeitsschützer, Organisationen und Verbände sowie die Industrie sind aufgerufen, einen Beitrag zu leisten.
Sie können den ukrainischen Arbeitnehmern direkt helfen als: 1) einzelner Experte: mit Fachwissen, Ausbildung, Beratung; 2) Unternehmen: Lieferung von Material/Hardware, Entwicklung von Projekten; 3) individuelle Person: finanzielle und nicht-finanzielle Unterstützung.
O Engagieren Sie sich jetzt! Weitere Informationen finden Sie unter: https://helpuaworkers.com O Für Ihre Ideen und Vorschläge sind wir außerdem immer dankbar – treten Sie mit uns in Kontakt unter: helpuaworkers@gmail.com O Wenn Sie die Initiative finanziell unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende auf folgendes Konto: Kontoinhaber: VDSI, Commerzbank Wiesbaden; IBAN: DE89 5108 0060 0188 7907 01, BIC: DRESDEFF510
Impressum Herausgeber: VDSI – Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit, Marienstraße 30, 10117 Berlin, www.vdsi.de • Chefredaktion: Dr. Silvester Siegmann (v. i. S. d. P.), Rebecca Hesse (Telefon: +49 30 863 2478-17, E-Mail: r.hesse@vdsi.de) • redaktionelle Mitarbeit: Prof. Dr. Arno Weber, Markus Tischendorf, Petra Zander • Anzeigenverwaltung und Mitgliederbetreuung: Anschrift wie Herausgeber, Telefon: +49 30 863 2478-0, info@vdsi.de • Bildnachweise: wenn nicht anderweitig gekennzeichnet: VDSI • Verlag: Deutscher Fachverlag GmbH, Mainzer Landstraße 251, 60326 Frankfurt am Main, www.dfv.de • Layout: Saskia Burghardt, Hochheim a. M., www.burghardt-grafik.de • Druck: Onlineprinters GmbH, Rudolf-Diesel-Straße 10, 91413 Neustadt a. d. Aisch • Nachdruck nur mit Genehmigung des Herausgebers. Für unverlangt eingesandte Beiträge wird nicht gehaftet. Erscheinungsweise: sechs Ausgaben pro Jahr. Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.
Foto: Stadt Filderstadt
VDSI aktuell 2.2025
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